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Tagesabläufe

Freitag, 14. Juni 2019

Kulturzentrum Neimënster, Nic-Klecker-Raum, 2. Stockwerk im Hauptgebäude.
Adresse: Centre culturel de rencontre Abbaye de Neumünster, 28, rue Münster, L-2160 Luxembourg

  • 13:00 Uhr – Eröffnung des Tagungsbüros
  • 14:30 Uhr – Vorträge: Einführung in das Gebiet (zwischendurch Kaffeepause)
  • 17:30 Uhr – Jahresversammlung der Floristisch-soziologischen Arbeitsgemeinschaft e.V.
  • 18:30 Uhr – Empfang mit Buffet im Nationalmuseum für Naturgeschichte (Das Museum befindet sich direkt neben dem Kulturzentrum Neimënster, 25, Rue Münster).

Samstag, 15. Juni 2019

  • 07:45 Uhr – Treffpunkt am Parking Glacis, auf der Seite der Avenue de la Faïencerie
  • 08:00-18:00 Uhr – Exkursionen 1, 2, 3 oder 4

Sonntag, 16. Juni 2019

  • 07:45 Uhr – Treffpunkt am Parking Glacis (wie Samstag)
  • 08:00-18:00 Uhr – Exkursionen 1, 2, 3 oder 4

Montag, 17. Juni 2019

  • 07:30 Uhr – Treffpunkt am Parking Glacis (wie Samstag)
  • 07:45-17:00 Uhr – Nachexkursion (max. 50 Teilnehmer)

Exkursionen

Exkursion 1 – Süden und Südosten

  • Themen: Ehemalige Tagebaugebiete und Baggerweiher – Flora ehemaliger Abbaugebiete
  • Exkursionsleiter:
  • Exkursionsteam: Guy Colling & Thomas Frankenberg

1. Ziel: Ehemaliges Tagebaugebiet Dudelange-Haardt

Ehemalige Tagebaugebiete. Foto: Thomas Frankenberg.

In den ehemaligen Tagebaugebieten der Minette im Süden von Luxemburg hat sich nach der Aufgabe des Erzabbaubetriebes eine große Vielfalt an schützenswerten Lebensräumen entwickelt. Bei den abgebauten Erzlagern handelt es sich um sogenannte Eisenoolithe, ein Gestein, in welchem in einem überwiegend kalkigen Bindemittel Massen von Eisenhydroxid-Kügelchen (Ooiden) eingelagert sind. Die starke Konzentration der Eisenhydroxide ist für die kastanienbraune bis dunkelrote Farbe der Dogger-Gesteinslagen verantwortlich, was in Verbindung mit dem Tagebau zu Bezeichnungen wie „Terres rouges“ oder „Land der roten Erde“ führte. Auf den Abbausohlen etablierten sich innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums verschiedene Typen und Ausprägungen von Magerrasen. Neben den Kalk-Pionierrasen und Halbtrockenrasen finden sich offene Felswände und Schutthalden sowie unterschiedliche Gebüsch- und Pionierwaldstadien.

Schutthalde mit Iberis amara. Foto: Thomas Frankenberg.

Im Rahmen der etwa dreistündigen Exkursion im Naturschutzgebiet „Haardt” werden die unterschiedlichen Lebensräume der luxemburgischen Minette-Tagebaugebiete exemplarisch vorgestellt. Bemerkenswerte Arten der Trockenrasen und Blockschutthalden sind u.a. Achillea nobilis, Acinos arvensis, Anthemis tinctoria, Cephalanthera rubra, Epipactis atrorubens, Galeopsis angustifolium, Iberis amara und Rumex scutatus. In den Rasen können schon in frühen Entwicklungsstadien Arten des Wirtschaftsgrünlandes oder der Ruderalfluren enthalten sein oder sogar Überhand nehmen. Auch Gehölze und Pionierbaumarten dringen oft früh in die Bestände ein. Im Hinblick auf den heutigen und zukünftigen Zustand der Rasen kommt deshalb dem Pflegemanagement eine entscheidende Rolle zu. Während der Exkursion werden daher auch unterschiedliche Pflegeansätze wie die Schafbeweidung diskutiert und neu geschaffene Pionierstandorte gezeigt.

Wegstrecke: ca. 4,5 km; Beschaffenheit der Route: Nach einem Anstieg von etwa 50 Höhenmetern folgt ein unbefestigter Wanderweg, der überwiegend trocken ist. Einzelne Exkursionsziele, wie die Blockschutthalden und Pionierrasen, werden über unebenes Gelände erreicht. Da es sich bei dem Gebiet um ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet handelt, ist die Entnahme von Tieren, Pflanzen und Pilzen strikt untersagt.

2. Ziel: Baggerweihergebiet Haff Réimech

Baggerweiher in Remerschen. Aus: Zolitschka, Gudrun, 2013. Naturschutzgebiete in Luxemburg. 126 S. Geheimsprachen Verlag.

Nach einer kurzen Busfahrt steht am Nachmittag eine Exkursion in das Gebiet „Haff Réimech” an, eines der größten und bedeutendsten Feuchtgebiete Luxemburgs. Nach einer kurzen Pause vor dem Besucherzentrum „Biodiversum” folgen wir dem ausgewiesen Wanderweg, der auch die Möglichkeit beinhaltet, Vogelbeobachtungen zu machen. Ähnlich wie im NSG Dudelange Haardt sind auch im „Haff Réimech” schützenswerte Sekundärlebensräume durch Abbauaktivitäten entstanden. In diesem Fall waren es jedoch die großen Kiesvorkommen, die an der luxemburgischen Obermosel abgebaut wurden. Das Naturschutzgebiet bietet mit seinen wassergefüllten Kies- und Sandgruben und den zum Teil trockenfallenden Kiesflächen einer großen Vielzahl an Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. Die etwa zweistündige Exkursion führt durch die unterschiedlichen Lebensräume und wird auch die Problematik des Managements invasiver Arten an dynamischen Sekundärstandorten diskutieren.

Wegstrecke: ca. 1,7 km; Beschaffenheit der Route: Ebener, aber unbefestigter Wanderweg, der stellenweise schlammig sein kann. Da es sich bei dem Gebiet um ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet handelt, ist die Entnahme von Tieren, Pflanzen und Pilzen strikt untersagt.

Verpflegung: Selbstversorgung (Lunchpakete können in den meisten Hotels geordert werden). Die Mittagspause ist im Gebiet „Dudelange-Haardt“ vorgesehen.


Exkursion 2 – Osten

  • Themen: Halbtrockenrasen und Schluchtwälder – Pflege und Wiederherstellung artenreicher Magerrasen
  • Exkursionsleiter:
  • Exkursionsteam: Thierry Helminger, Georges Moes, Elena Grande Alonso, Norbert Valmorbida

1. Ziel: „Groeknapp“ bei Graulinster

Groeknapp – Renaturierung von Halbtrockenrasen. Foto: Thierry Helminger.

Der Keuperstandort „Groeknapp“ befindet sich am südlichen Rand des Luxemburger Sandsteins im Gebiet der „Schwarzen Ernz“. Als potentieller Standort orchideenreicher Halbtrockenrasen, der zudem eine kleine Wacholderpopulation beherbergt, ist der Groeknapp auch als Brutgebiet für den Raubwürger (Lanius excubitor) und den Neuntöter (Lanius collurio) von größter Bedeutung. Mit dem Ziel der Wiederherstellung artenreicher Orchideen-Halbtrockenrasen wurden im Rahmen des LIFE-Orchis Projektes standortfremde Kiefern und Robinien im Herbst 2016 entfernt und die flächigen Schlehen-Weißdorngebüsche zurückgedrängt. Die Exkursion stellt einen morphologisch spannenden Standort vor, der durch bodenoffene Erosionsrinnen geprägt ist. Aufgrund der Exposition und Erosionsanfälligkeit der Keupermergel bleiben die vorhandenen Anrisse auf lange Zeit vegetationslos. Diese Standorte bereichern die angrenzenden Halbtrockenrasen um den trockenen Flügel potentieller Felsgrus-Gesellschaften. Zur Entwicklung größerer Wacholderformationen werden die vorhandenen Populationen durch zusätzliche Anpflanzung von Wacholder-Jungpflanzen verstärkt.

Wegstrecke: 1 km; Beschaffenheit der Route: Mittelschwer (der weglose Aufstieg durchs Gelände auf den Hügel ist im letzten Abschnitt recht steil), 50 m Höhenunterschied.

2. Ziel: „Aarnescht“ bei Niederanven

Halbtrockenrasen auf Keuper (Aarnescht). Foto: Simone Schneider.

Ähnlich wie der „Groeknapp“ stellt auch die „Aarnescht“ bei Niederanven dar, die unmittelbar am Rande der Cuesta des Luxemburger Sandsteins liegt. Das abwechslungsreiche, 75 ha große Gebiet umfasst im Kuppenbereich und an den nach Osten abfallenden Hängen Laubwälder und Kiefernforste. Die etwa 40 ha umfassenden Westhänge mit ihrem Mosaik an Kalkhalbtrockenrasen, Magergrünland, kleineren Pfeifengraswiesen und Gebüschen bis hin zu Vorwaldstadien am Rande von Rinnen bilden das größte zusammenhängende Gebiet mit Halbtrockenrasen in der luxemburgischen Keuperlandschaft. Bekannt ist die „Aarnescht“ in erster Linie durch die Fülle der dort nachgewiesenen Orchideenarten, beide Enzianarten (Gentianella ciliata und G. germanica) kommen neben seltenen Arten wie Melampyrum cristatum, Molinia caerulea, Succisa pratensis und Serratula tinctoria vor. Faunistische Erhebungen haben ebenfalls die Anwesenheit zahlreicher thermophiler Insektenarten wie Warzenbeißer (Decticus verrucivorus), sowie in den letzten Jahren regelmäßig Gottesanbeterin (Mantis religiosa) nachgewiesen. Die „Aarnescht“ gehört zu den artenreichsten und populationsstärksten Lebensräumen von Tagfaltern. Neben der einzigartigen Fauna und Flora zeichnet sich die „Aarnescht“ durch eine für Keupermergel charakteristische Morphologie mit bodenoffenen Anrissen mit Lockersyrosemen und scharf v-förmig eingeschnittenen Erosionsrinnen aus. Der Unterhalt des Gebietes besteht im Wesentlichen im Zurückdrängen von Gehölzen, sowie in der abschnittsweisen Beweidung der Flächen mit einer Wanderschafherde.

Wegstrecke: 2,5 km; Beschaffenheit der Route: Leicht, 25 m Höhenunterschied.

3. Ziel: Buerggruef, Kelsbaach bei Grevenmacher

Blick vom Buerggruef ins Moseltal. Foto: Thierry Helminger.

Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Gebieten, die am westlichen und nördlichen Rand der Keuperlandschaft lagen, führt das Exkursionsziel bei Grevenmacher an den östlichen Rand dieser Formation. Kalkreiche Keupermergel bedecken das Plateau, während die unterliegenden dolomitischen Gesteine des Oberen Muschelkalks eine steile Felskante zum Moseltal bilden. Auf dem Plateau, am „Buerggruef“ durchqueren wir einen Magerrasen, der seit mehreren Jahren mit später Mahd bewirtschaftet wird und floristisch den bereits besichtigten Halbtrockenrasen nahesteht. Auffällig sind einige dolinenartige Einbruchlöcher, die durch den Einsturz ehemaliger Galerien (Abbau von Dolomit) entstanden sind. In diesem Bereich befinden sich auch weitere Flächen, die in den letzten Jahren entbuscht wurden und unterschiedliche Stadien nach der Renaturierung zeigen. Die Exkursion führt entlang der „Kelsbaach“ durch ein enges in die harten Gesteine des Muschelkalks eingeschnittenes Tal. Die Nordhänge besitzen Anklänge an Schluchtwälder, während die steilen Südhänge durch thermophile Gebüsche und Krüppeleichenbestände an der Felskante charakterisiert sind. Unterhalb der Felswand, im Übergang zum Mittleren Muschelkalk, zeugen noch zahlreiche Weinberge mit restaurierten Trockenmauern von der historisch hier verbreiteten kleinteiligen Form des Weinbaus.

Wegstrecke: 1,2 km; Beschaffenheit der Route: Leicht, 120 m Höhenunterschied.

4. Ziel: Schluchtwald im Naturschutzgebiet Manternacher Fiels

Manternacher Schluchtwald. Foto: Thierry Helminger.

Das Naturschutzgebiet Manternacher Fiels ist ein Naturwaldreservat mit in Luxemburg seltenen Waldbiotopen. Herzstück ist der an der nordexponierten Seite gelegene, flächenmäßig größte Schluchtwald Luxemburgs, der rund 57 ha umfasst und 24% der gesamten Schluchtwaldfläche Luxemburgs darstellt. Unter den typischen Schluchtwald-Arten Esche, Sommerlinde, Bergulme und Bergahorn gibt es hier noch sehr üppige Vorkommen des Frühjahrsblühers Scilla bifolia und des Asplenium scolopendrium.

Wegstrecke: 500 m; Beschaffenheit der Route: Leicht, 40 m Höhenunterschied.

Verpflegung: Selbstversorgung (Lunchpakete können in den meisten Hotels geordert werden). Die Mittagspause ist im Gebiet „Aarnescht“ nach dessen Besichtigung vorgesehen.


Exkursion 3 – Norden

  • Themen: Feuchtwiesen, Felsbiotope, Silikatrasen, Burgen, Eichen-Niederwälder – Lebensräume auf Schiefer im Norden Luxemburgs
  • Exkursionsleiter:
  • Exkursionsteam: Yves Krippel, Armin Schopp-Guth, Patrick Thommes, Tania Walisch, Jean-Paul Wolff

1. Ziel: Feuchtgebiet „Sauerwisen“

Feuchtwiesengebiet Sauerwisen. Foto: Simone Schneider.

Den ersten Exkursionspunkt bildet das Feuchtgebiet „Sauerwisen“ bei Wahlhausen mit seinen unterschiedlichen Vegetationstypen darunter u.a. Borstgrasrasen und ein kleinflächiges Zwischenmoor. Erläutert werden auch die Pflegemaßnahmen im Gebiet sowie die Wiederansiedlung von Arnica montana.

Wegstrecke: ca. 0,5 km; Beschaffenheit der Route: Ebenes Gelände, Weg, feuchter bis nasser Pfad im Naturschutzgebiet.

2. Ziel: Felsenanschnitt in Kautenbach

Felsbiotope des Devons. Foto: Yves Krippel.

Den zweiten, kurzen, Exkursionspunkt bildet eine der seltenen gut ausgeprägten Stationen des Rheinischen Steinbrechs (Saxifraga rosacea subsp. sponhemica) in Luxemburg, dies an einem kryptogamenreichen Felsenanschnitt in Kautenbach.

Wegstrecke: 0,3 km; Beschaffenheit der Route: Ebenes Gelände, Straße.

3. Ziel: Esch-Sauer: Silikatfelsen und Burg

Burg in Esch-Sauer. Foto: Yves Krippel.

Das dritte und Hauptexkursionsziel ist die Ortschaft Esch-Sauer, mit unter anderem dem Burgfelsen und den Burgruinen. Stationen sind hier neben dem Naturparkzentrum ein kleiner Eichen-Niederwald, Silikatrasen und Felskuppen mit Pioniervegetation sowie anthropogen beeinflusste Standorte und Sekundarlebensräume im Bereich der ehemaligen Festung Esch-Sauer. Danach führt uns der Weg zur eigentlichen Burg, mit u. a. einer ausgeprägten Mauerritzen- und Mauerkronenvegetation, darunter verschiedene Farnarten und sonstige Kryptogamen sowie ehemals vom Menschen genutzte Arten wie Artemisia absinthium oder Cymbalaria muralis, das klassische Lehrbuchbeispiel für Phototropismus. Neben der Geschichte der Burg werden hier auch verschiedene Pflegemaßnahmen vorgestellt.
Wegstrecke: ca. 1,5 km; Beschaffenheit der Route: Z. T. schmaler Waldweg, bewegtes Gelände, steilere An- und Abstiege, Treppen, Straße.

4. Ziel: Silikatfelsen und Niederwälder

Anthericum liliago. Foto: Yves Krippel.

Der letzte Exkursionspunkt liegt in der Nähe der Trinkwassertalsperre von Esch-Sauer. Neben einigen Silikatfelsen mit typischer Spaltenvegetation und thermophilen Saumgesellschaften (mit u.ba. Asplenium septentrionale, Seseli libanotis und Anthericum liliago) liegt der Schwerpunkt hier beim Eichen-Niederwald, deren alte traditionelle Nutzungsweise ebenfalls vorgestellt wird. Auch wird die Entstehungsgeschichte des Stausees kurz umrissen und bei niedrigem Wasserstand kann auf erste Exemplare von Corrigiola litoralis und Limosella aquatica gehofft werden.

Wegstrecke: 1,5 bis 2 km; Beschaffenheit der Route: Am Anfang Straße, dann schmaler Waldpfad in bewegtem Gelände, enge Treppen.

Verpflegung: Selbstversorgung (Lunchpakete können in den meisten Hotels geordert werden).


Exkursion 4 – Südwesten und Zentrum

  • Themen: Artenreiches Grasland: Magerwiesen, Heiden und Niedermoore – Bunte Wiesengebiete im Lias und atlantische Florenelemente
  • Exkursionsleiterin:
  • Exkursionsteam: Simone Schneider, Claire Wolff, Liza Glesener, Jörg Zoldan

Luxemburg verfügt aufgrund seiner geologischen Vielfalt über eine Vielzahl an Graslandgesellschaften. Besonders vielfältig ausgeprägt sind die Glatthafer- und Feuchtwiesen. Auf der Exkursion schauen wir uns eine Reihe dieser blütenreichen Bestände an. Thematisiert werden Schutz-, Erhaltungs- und Renaturierungsmaßnahmen dieser immer stärker bedrohten Graslandlebensräume. Die Exkursionsgebiete sind vorwiegend relativ kleine Gebiete und es sind daher meist nur kurze Wegstrecken zu den jeweiligen Exkursionszielen zurückzulegen.

1. Ziel: Magerwiesen-Gebiet „Bitschenheck“

Alopecurus rendlei. Foto: Simone Schneider.
Hordeum secalinum. Foto: Simone Schneider.

Zu Beginn wird es einen kurzen Abstecher in extensiv genutzte Futterwiesen mit atlantisch verbreiteten Arten – unter anderem Alopecurus rendlei und Hordeum secalinum – geben.

Magerwiesenkomplex und NATURA 2000-Gebiet Bitschenheck. Foto: Simone Schneider.

Das erste große Exkursionsgebiet ist das Natura 2000-Gebiet „Bitschenheck“ – eines der wertvollsten Magerwiesen-Gebiete Luxemburgs. Hier finden sich gut ausgeprägte Pfeifengraswiesen (LRT 6410) mit Scorzonera humilis und Oenanthe peucedanifolia, Wassergreiskraut-Wiesen, Klein- und Großseggenriede mit Eriophorum angustifolium, Carex nigra, C. vesicaria und C. acuta und magere Glatthaferwiesen. Im Rahmen von LIFE-Projekten konnten wertvolle Flächen durch Flächenankauf gesichert werden. Zur Optimierung des Erhaltungszustandes wurden dort seltene Arten aus autochthonem Anzuchtmaterial wieder angesiedelt.

Wegstrecke: ca. 500 m Hin- und Rückweg; Beschaffenheit der Route: Ebenes Gelände, Straße.

2. Ziel: Magerwiesen-Gebiet „Werwelslach und Gollewiss“

Pfeifengraswiesen mit Scorzonera humilis im Werwelslaach. Foto: Simone Schneider.

Im zweiten Wiesengebiet „Werwelslach und Gollewiss“ schauen wir uns die größte in Mitteleuropa bekannte Schwarzwurzel-Population mit derzeit noch über 5.000 Individuen an. Durch Mahdgutübertragung und Wiederansiedlung ehemals vorhandener Kennarten wurden hier zudem Pfeifengraswiesen wiederhergestellt, die in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu sehen sind. Neben den genutzten  Graslandgesellschaften kann ein Verlandungsbereich mit einem Carex riparia-Ried an einem kleinen Stillgewässer betrachtet werden.

Wegstrecke: ca. 1 km Hin- und Rückweg; Beschaffenheit der Route: Ebenes Gelände, Waldweg.

3. Ziel: Heidegebiet „Heedchen“

Calluna-Heiden in der Heedchen. Foto: Simone Schneider.

Nach einer Stärkung im Bürogebäude des Naturschutzsyndikates SICONA geht es in das Heidegebiet „Heedchen“, eines der letzten größeren Heidegebiete und Teil des Natura 2000-Gebietes „Mamer-Eischtal“. Calluna-Heiden gehören in Luxemburg mit lediglich knapp 20 ha zu den seltenen Offenlandbiotopen. Die Bestände des Lebensraumtyps „Trockene europäische Heiden“ (FFH-LRT 4030) verzahnen sich hier kleinräumig mit Sandmagerrasen. Präsentiert werden alte, weitgehend intakte Bereiche sowie durch unterschiedliche Pflegemaßnahmen wie Entbuschungen, Abplaggen und Mahdgutübertragung entstandene Entwicklungsstadien. Die Managementmaßnahmen, u. a. die auch seit Kurzem stattfindende Beweidung mit Wanderschafen, tragen stetig zur Verbesserung der Habitatqualität bei.

Wegstrecke: ca. 900 m; Beschaffenheit der Route: Sandiger, gut begehbarer Waldweg (beschilderter Themenwanderweg) auf ebenem Gelände.

4. Ziel: Basenreiches Niedermoor „Rouer”

Torfreiches Niedermoor Rouer. Foto: Geocoptix.

Weiter nordwestlich gelegen, im südlichen Teilgebiet des Natura 2000-Gebietes „Attert-Tal“ am Näerdener Bach, wird das derzeit einzig bekannte Klimaarchiv – mit über 3,5 Meter Torfmächtigkeit – von Luxemburg aufgesucht. Das Niedermoor auf basenreichem Keupersubstrat beherbergt einige seltene Arten wie Triglochin palustre, Schoenoplectus tabernaemontani und Berula erecta. Es trägt unterschiedliche Feuchtwiesen-Gesellschaften; Klein- und Großseggenriede sind dominant. Das Gebiet wird sehr extensiv über eine kurze Zeitspanne im Sommer mit Pferden beweidet. Da erst vor wenigen Jahren die Torfmächtigkeit ermittelt wurde, läuft im Gebiet ein Forschungsprojekt von SICONA in Kooperation mit den Universitäten Trier, Münster und Köln. Aktuell laufen paläobotanische Untersuchungen und Altersdatierungen; eine Isotopenanalyse hat bereits stattgefunden. Ein botanisches Monitoring findet seit einigen Jahren statt. Der an die Kernzone angrenzende degradierte Teilbereich wurde kürzlich in die öffentliche Hand überführt; hier laufen nun Renaturierungsmaßnahmen an.

Wegstrecke: ca. 150 m; Beschaffenheit der Route: Ebenes Gelände, Straße.

5. Ziel: Niedermoor „Haarzebruch“

Scutellaria minor im Haarzebruch. Foto: Simone Schneider.

Der letzte Exkursionspunkt ist das Niedermoor „Haarzebruch“. Dort befindet sich eines der wenigen Vorkommen des Kleinen Helmkrautes (Scutellaria minor) in Waldbinsenwiesen unterschiedlicher Ausprägungen. Entbuschungs- und Pflegearbeiten bewirkten eine Vergrößerung der Population.

Wegstrecke: direkter Zugang zum Gebiet; Beschaffenheit der Route: Ebenes Gelände.

 

Verpflegung: Selbstversorgung (Lunchpakete können in den meisten Hotels geordert werden). Nach dem Picknick im Bürogebäude vom Naturschutzsyndikat SICONA wird ein kleines Dessert und Kaffee gereicht.

Hinweis: Für die Exkursion ist festes Schuhwerk zu empfehlen. Je nach Wetterlage kann es in dem einen oder anderen Wiesengebiet und natürlich in den beiden Niedermooren nass sein. Daher bietet es sich an, auf Gummistiefel zurückzugreifen.


Nachexkursion – Kleine Luxemburger Schweiz

  • Themen: Kleine Luxemburger Schweiz: Felsen mit Hymenophyllum tunbrigense, Buchen- & Schluchtwälder
  • Exkursionsleiter/-in: , Yves Krippel, Florian Hans, Thierry Helminger
  • Exkursionsteam: Simone Schneider, Yves Krippel, Florian Hans, Thierry Helminger
Die Gegend um das Müllertal ist das Ziel der Nachexkursion. Foto: Simone Schneider.

Die Nachexkursion führt uns in die „Kleine Luxemburger Schweiz“. Die Gegend um das Müllertal mit ihren bizarren Felsformationen, den steil überhängenden Felswänden und den engen Schluchten ist ein sehr beliebtes Wander- und Tourismusgebiet und wegen ihrer floristischen Highlights auch unter den Botanikern bestens bekannt.

1. Ziel: Vegetation der Sandsteinfelsen

Sandsteinformationen in der Kleinen Luxemburger Schweiz. Foto: Thomas Frankenberg.

Am Vormittag wandern wir nordöstlich von Berdorf durch Buchenwälder, vorbei an den unterschiedlichsten Felsformationen. An zahlreichen Stellen gibt es zum Teil große Bestände der Stechpalme Ilex aquifolium, der atlantischen Charakterart der „Kleinen Luxemburger Schweiz“.

Besonderes Augenmerk wird auf die im Gebiet sehr zahlreich vertretenen Farne gelegt. Genauso vielfältig sind die Moose im Exkursionsgebiet mit mehr als 380 Arten, etwa zwei Drittel der luxemburgischen Moosflora. Eine botanische Besonderheit ist das Leuchtmoos (Schistostega pennata), dessen lichtreflektierende Protonemata wir in einigen stark beschatteten Felsen beobachten können.

Hymenophyllum tunbrigense. Foto: Yves Krippel.

Das „Juwel des Luxemburger Sandsteins“, der Englische Hautfarn (Hymenophyllum tunbrigense) wurde bereits 1823 bei Berdorf entdeckt. Wir haben wohl die einmalige Gelegenheit ein Haupt-Vorkommen dieses seltenen – atlantisch geprägten – Farns, der hier an der Ostgrenze seines Areals vorkommt, zu besichtigen. Ein weiteres Highlight ist die Anhang II-Art der europäischen FFH-Richtlinie, der Prächtige Dünnfarn (Trichomanes speciosum), der erst 1993 im Gebiet entdeckt wurde und hier nur als Gametophyt vorkommt. Unsere Wanderung führt uns schließlich zur „Teufelsinsel” und den markanten „Rueltzbechschlëff”, einer besonderen Felsformation mit zahlreichen interessanten Flechten.

Wegstrecke: ca. 2,5 km; Beschaffenheit der Route: Bewegtes Gelände, schmale, felsige Pfade, enge Pfade durch Schluchten, kurze steilere An- und Abstiege, Trittsicherheit erfordert. Es sind einige Höhenmeter zu überwinden.

Hinweis: Sämtliche Farne, Moose und Flechten, die direkt auf Luxemburger Sandstein vorkommen, sind integral geschützt!

2. Ziel: Schluchtwälder in den Tälern der „Halsbaach“ und der „Aesbech“

Schluchwälder im Tal der Halsbaach. Foto: Simone Schneider.

Der zweite Exkursionspunkt führt uns durch die kühl-feuchten Täler der „Halsbaach“ und der „Aesbech“. Das enge Halsbach-Tal ist geprägt durch Schluchtwälder mit Acer pseudoplatanus, Tilia platyphyllos, T. platanoides, Ulmus glabra und Fraxinus excelsior. In der Krautschicht dominieren neben Blütenpflanzen wie Chrysosplenium alternifolium, vor allem zahlreiche Farne, z. B. Polystichum aculeatum, Asplenium scolopendrium sowie Vertreter aus dem Dryopteris affinis agg. und zahlreiche Moosarten. Die Felsen und mikroklimatischen Gegebenheiten bieten ideale Bedingungen für ein üppiges Wachstum vieler Moose, darunter einige eng spezialisierte ozeanische und boreale Arten. Auch der Zerbrechliche Streifenfarn (Asplenium trichomanes subsp. pachyrachis) und der Gametophyt des Prächtigen Dünnfarns sind hier gut vertreten. Das Tal der „Aesbech“ ist etwas weniger eng, trägt jedoch noch immer typische Schluchtwaldarten, teilweise finden sich auch kleinräumig Auwälder. Interessant im Tal des Aesbachs ist die Wabenverwitterung, eine typische Verwitterungsformen des Sandsteins. Die markanten Kalktuffe im unteren Teil des Tales mit u. a. Equisetum telmateia, sind derzeit infolge der Hochwasserschäden leider unzugänglich. Endpunkt ist das Gebiet um die „Hohllay“ mit ihren spektakulären Fels-Höhlen. Das Müllertal ist nicht nur reich an floristischen Schätzen, sondern auch aus kulturhistorischer Sicht besonders interessant.

Wegstrecke: ca. 3 km; Beschaffenheit der Route: Bewegtes Gelände, schmale, felsige Pfade, kurzer Anstieg.

3. Ziel: Vorkommen vom Grünen Besenmoos

Dicranum viride. Fotos: Florian Hans.

Abschließend wird ein kurzer Abstecher zu einem Vorkommen von Dicranum viride gemacht. Diese Anhang II-FFH-Art hat in der Region ein zentrales Vorkommen. Der Bus fährt uns bis auf wenige Meter an die Fundstelle heran. Während der Fahrt gibt es Erklärungen zur prähistorischen Forschung im Müllertal.

Verpflegung: Selbstversorgung (Lunchpakete können in den meisten Hotels geordert werden). Die Mittagspause legen wir an einem schönen Aussichtspunkt in der Nähe des Campings von Berdorf ein.